„Jedes Schicksal ist eine humanitäre Katastrophe“

Kanzelrede1

Hielt eine bewegende Rede: der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer.

 

Zum 10. Mal veranstaltete die evangelisch reformierte Kirchengemeinde in Erlangen anlässlich des Buß- und Bettages einen Kommentargottesdienst. Zu Gast war MdB Christoph Strässer, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, der mit seiner bewegenden Kanzelrede zum Nachdenken anregte.

„Wir sollten uns immer an den Artikel 1 des Grundegesetztes, , Die Würde des Menschen ist unantastbar‘, erinnern. Jeder Mensch der getötet wird, ist einer zu viel.“ Mit diesen Worten beschloss Christoph Strässer seine Rede über die „Humanitäre Katastrophe und die Anforderung an die Menschlichkeit“.  Erst einen Tag vor seinem Auftritt in Erlangen war Strässer von einer Reise aus Simbabwe, Swasiland und Südafrika zurückgekehrt. „Wir dürfen die Bilder, die wir sehen, nicht akzeptieren, sondern müssen sie ändern“, mahnte Strässer an.

Der Konflikt in Syrien, dem Irak, in der Zentralafrikanischen Republik und dem Sudan werden derzeit als die vier humanitären Katastrophen der höchsten Stufe genannt. Strässer erinnerte daran, dass es noch viel mehr Konflikte gibt, die aber mittlerweile aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden sind.

Rund 51,8 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, 30 Millionen davon innerhalb ihrer Landesgrenzen. Als Beispiel nannte er das Schicksal der vielen HIV-Waisenkinder in Afrika und der Menschen im Darfur-Konflikt. „Drei Millionen Menschen sind dort auf der Flucht und sind im Tschad aufgenommen worden, dem drittärmsten Land der Welt. Das nenne ich Menschlichkeit.“ Die Liste der Vergessenen wird immer länger. „Es gibt zahllose vergessene Kriege. Im Kongo sterben jedes Jahr mehr Menschen als im Nahen Osten, trotz des Einsatzes von UN-Blauhelmen. Ich habe in Panzi in der Provinz Süd-Kivu im Kongo ein Krankenhaus besucht, in dem jedes Jahr 4700 misshandelte Frauen und Kinder eingeliefert werden.

Bedrückend waren die Schilderungen über die Gräueltaten der ISIS in Syrien. Rund drei Millionen Syrer sind auf der Flucht. Über eine Million fand bisher im Libanon Zuflucht, einem Land das selbst nur 4,45 Millionen Einwohner zählt. „Wir reden hier über Menschen, die alles verloren haben, die ihre Heimat verlassen haben. Nicht, weil sie das wollten, sondern weil sie mussten. Menschenrechte sind universell und nicht, weil eine Regierung sie ihnen zuspricht. Die bittere Lektion aus diesem Konflikt ist, dass wir ISIS nicht nur mit humanitärer Hilfe aufhalten werden können.“

Deutschland, vor allem mit dem Hintergrund der eigenen Geschichte, müsse seiner Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen gerecht werden. „Ich habe schon vor 20 Jahren den Spruch gehört, dass das Boot voll ist. Da wird so getan, als würden wir die Probleme der Welt lösen“, zürnte Strässer. Er appellierte an das Deutsche Volk mehr zu helfen und seiner Verantwortung für die Welt gerecht zu werden. „Jedes Schicksal ist eine humanitäre Katastrophe.“