Sophie Nlebedim mit Martina Stamm-Fibich vor dem Reichstag in Berlin.

Acht wochenlang durfte Sophie Nlebedim als Praktikantin Martina und ihrem Team bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Martina habe ich das erste Mal im Sommer 2019 beim Planspiel „Jugend und Parlament“ im Bundestag kennengelernt. Hier hatte ich die Möglichkeit vier Tage lang in die Rolle einer Abgeordneten zu schlüpfen. Als sie mir vorschlug, ein Praktikum in ihrem Abgeordnetenbüro zu absolvieren, nahm ich das Angebot direkt an.

Mit Martinas Schwerpunkten im Gesundheits- und Petitionsausschuss kannte ich mich als frisch entlassene Abiturientin nicht aus und war deshalb umso motivierter, viel Neues zu lernen. Das habe ich definitiv, denn besonders im Gesundheitssauschuss war der Informationsinput sehr groß.

Seit Anfang des Jahres ist die Corona-Pandemie das Hauptthema im Ausschuss. Ich konnte ich alle Informationen mitbekommen und ungefilterte Diskussionen verfolgen. Besonders spannend waren die Diskussionen rund um das 3. Bevölkerungsschutzgesetz, das bundesweit für Aufregung gesorgt hat. Den Abgeordneten konnte man die Anspannung ansehen, denn es war klar, dass der Entschluss nicht nur auf Zustimmung stoßen würde.

Im Büro kamen viele Bürgerbriefe an, die ihre Fragen, Sorgen und Wünsche zum Thema äußerten. Diese zu beantworten, sich selbst mit der Materie auseinanderzusetzen und Missverständnisse zu klären, war eine tolle Erfahrung. Neben Corona standen viele weitere Punkte zur Debatte, wie die Maßnahmen zur Patientenentlastung, Sehhilfen, Cannabis oder Suizidhilfe. Die Suizidhilfe ist mir am meisten im Gedächtnis geblieben, da ich selbst die Recherche zum Thema betreiben konnte. Regelungen zur Sterbehilfe sind ein moralisch und ethisch kontroverses Thema. Die Meinungen innerhalb der Partei gingen auseinander.

Ein weiteres Highlight waren die Besuche im Petitionsausschuss. Täglich werden im Bundestag neue Petitionen eingereicht. Viele Petenten haben gute Intentionen, aber nicht allen kann geholfen werden. Viele gute Ansätze scheitern leider am Koalitionspartner. Vor Ort ist mir dieses Problem erst richtig klar geworden. Die mediale Aufmerksamkeit für die Arbeit des Petitionsausschusses fehlt leider.

Das Praktikantinnen-Programm der SPD-Fraktion wurde wegen der Pandemie online fortgeführt. Über Webex konnten wir mit Abgeordneten diskutieren und kritische Fragen stellen. Die Themenfelder sind breit gefächert. Sie reichten von „Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie“ über „Nachwahlanalysen zu den US-Wahlen“ bis hin zu „Gewalt und Rassismus im Sport“.

Politik lebt und wirkt! – Das habe ich in meinem Praktikum auf jeden Fall gemerkt. In meinen zwei Monaten im Berliner Büro konnte ich viele neue Erfahrungen und Einblicke sammeln, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ich bin Martina und dem Team sehr dankbar, dass sie mich so gut aufgenommen haben und mir ein tolles Praktikum ermöglicht haben.