Martina Stamm-Fibich spricht sich gegen die doppelte Widerspruchslösung bei der Organspende aus. Foto: editorial247.com

Der Deutsche Bundestag hat am 16.01.2020 in fraktionsoffener Abstimmung den Gesetzentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende angenommen. Als Gesundheitspolitikerin unterstützt Martina Stamm-Fibich das Ziel, die Spendenbereitschaft zu erhöhen. Denn Organspenden retten leben – Tag für Tag.

Umso wichtiger ist es, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um nicht nur die Spendenbereitschaft zu erhöhen, sondern vor allem die Transplantationsrate. In Spanien – dem europäischen Vorreiter bei der Organspende – gibt es mehr als vier Mal so viele Organspender pro Million Einwohner wie in Deutschland. Kaum ein Fünftel der spanischen Familien lehnt die Organspende eines Angehörigen ab.

Professionalisierung der Strukturen

Der Erfolg Spaniens – und anderer, ähnlicher Systeme – liegt nicht in der doppelten Widerspruchslösung. Er entspringt einer Professionalisierung des Transplantationswesens, der Zentralisierung von Registern zur besseren Koordination und einer deutlich besseren Information der Bevölkerung über die Bedeutung und Konsequenzen einer Organspende.

In Spanien gibt es etwa 48 Organspender pro Million Einwohner jährlich. In Bulgarien, ebenfalls mit einer Widerspruchslösung, sind es dagegen kaum mehr als 4. Deutschland steht mit 11,5 kaum besser da. Das Beispiel zeigt, dass der entscheidende Aspekt kaum die Widerspruchslösung sein kann, sondern es um die Organisation der Organspende selbst geht.

Um auch in Deutschland die Strukturen der Organtransplantation zu professionalisieren, ist am 1. April 2019 das Zweite Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes in Kraft getreten. Ziel dieses Gesetzes ist die Schaffung besserer Rahmenbedingungen, einer Professionalisierung der Rolle der Transplantationsbeauftragten und der detaillierten Dokumentation zur Koordination und Qualitätssicherung.

Menschen besser über Verfahren der Organspende informieren

“Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten, potenzielle Spender informieren und offene Fragen zum Verfahren einer Organspende beantworten. Schweigen darf keine Zustimmung bedeuten“, sagt Stamm-Fibich. Im besten Fall hätte die doppelte Widerspruchslösung die Organspender-Zahlen minimal erhöht. Im schlimmsten Fall hätte sie das Vertrauen der Bürger in ein System, das vor allem auf Vertrauen basiert, untergraben.

Deutschland braucht eine Professionalisierung der Strukturen in der Organspende. Die beste Maßnahme, um Menschen zu überzeugen, ist das Wissen, dass eine Spende Leben rettet und darüber wie Organspende funktioniert. Das lässt sich nur über ein transparentes, professionalisiertes System erreichen. „Der erste Schritt muss meiner Ansicht nach die Evaluation der jüngsten Änderung des Transplantationsgesetzes sein. Wir müssen prüfen, ob das bereits beschlossene Gesetz uns dem Ziel professionalisierter Strukturen näherbringt und welche weiteren Maßnahmen wir ergreifen ggf. können, um unser System zu verbessern“, sagt Martina Stamm-Fibich.

Maßnahmen gibt es dabei viele. Der Erfolg des spanischen Systems ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass auch Organe älterer Spender verwendet werden – meist zugunsten ebenfalls älterer Empfänger.

Selbstbestimmungsrecht nicht antasten

Die Widerspruchslösung ist – vor diesem Hintergrund – für mich keine Lösung. Sie entbindet die Politik von der Verantwortung, komplizierte Lösungen für ein kompliziertes Problem zu erarbeiten.