Vier Wochen begleitete Matthias Müller die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich bei ihrer Arbeit in Berlin.

12-12-2019 Viele Menschen, die an den Deutschen Bundestag denken, denken erst einmal an endlose Debatten im Plenarsaal, trockene Zahlen und anstrengende Gesetzesvorbereitungen. Bei mir ist das anders: Ich war vor meinem Praktikum vor allem neugierig. Ich interessiere mich seit langem für sozialdemokratische Politik und habe mich deshalb für ein Praktikum im Abgeordnetenbüro von Martina Stamm-Fibich beworben, um einen Einblick in die parlamentarische Tätigkeit und Hintergrundarbeit zu bekommen.

In meinem vierwöchigen Praktikum hatte ich das Glück, dass zwei Sitzungswochen und eine Haushaltswoche stattfanden und somit viele unterschiedliche Veranstaltungen und Aufgaben anstanden. Ich durfte Martina Stamm-Fibich nicht nur zu sämtlichen Arbeitsgruppen und Ausschüssen zu den Themen Petitionen und Gesundheit begleiten, sondern auch aktiv in ihrem Team im Büro mitarbeiten und mitwirken. In den ersten zwei Wochen unterstützte ich meine Kollegin Kathrin Trommer bei der Bearbeitung von Petitionen. Interessant hierbei war es für mich, die verschiedenen Anliegen zu sehen, mit denen ich mich vorher noch nicht befasst hatte. Ein Anliegen ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Die geplante Abschaffung von Plastikstrohhalmen, obwohl diese für Menschen mit Behinderung oder körperlicher Einschränkung notwendig sind. Als junger Mensch ist mir natürlich der Klima- und Umweltschutz wichtig, dennoch hat mir die Petition auch kontroverse Aspekte des Themas aufgezeigt. Außerdem lernte ich hierbei die verschiedenen Instanzen kennen, durch die Petitionen laufen, bis sie im Petitionsausschuss beraten und geprüft werden.

Eine weitere Veranstaltung, bei der ich Martina Stamm-Fibich begleiten durfte, war eine Veranstaltung des BDI in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft. Nicht nur das Gebäude, das ehemalige Reichstagspräsidentenpalais, war sehr beeindruckend, sondern auch der Hauptvortrag der Veranstaltung. Das Thema: Die Einführung eines digitalen Zwillings, an dem Krankheitsverläufe und mögliche Therapien im Vorfeld getestet werden können.

Weitere Veranstaltungen, die ich besucht habe, wurden für viele Praktikanten aus SPD Bundestagsabgeordnetenbüros vom SPD-Praktikantenprogramm organisiert. Zwei bis drei Mal die Wochen trafen wir uns für verschiedene Veranstaltungen, wie zum Bespiel Diskussionsrunden mit verschiedenen Abgeordneten zu den Themen „Grundrente“ mit dem Abgeordneten Ralf Kapschack, „Die aktuelle Lage der SPD“ mit dem Generalsekretär Lars Klingbeil, „Engagementpolitik“ mit Svenja Stadler oder auch zum Thema „Wie können Bürger besser beteiligt werden“ mit Helge Lindh. Bei diesen Runden wurde offen und ganz privat mit den Abgeordneten diskutiert und jeder durfte seine eigenen Meinungen, Erfahrungen und Vorschläge zu den Themen äußern. Außerdem besuchten wir Praktikanten das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nahmen an einer Führung im Roten Rathaus teil, sowie an einer im Willy-Brandt-Haus. Durch das Praktikantenprogramm konnte man die Erfahrung machen, einige Politiker ganz privat und locker zu erleben. Durch die Führungen bekam man Einblicke, die den meisten Besuchern solcher Häuser oft verwehrt bleiben. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, zwei Plenarsitzungen zu besuchen und einmal bei einer Rede im Plenum von Martina Stamm-Fibich dabei zu sein.

Im Gesundheitsbereich habe ich Jonas Wolframm bei einer aufwendigen Recherchearbeit zum Thema „Patientenentschädigungs- und Härtefallfonds“ unterstützt. Ich recherchierte, wie andere Staaten mit diesem Thema umgehen, zum Beispiel wie sie solche Fonds finanzieren und welche Voraussetzungen für die Inanspruchnahme erfüllt sein müssen.

Auch für eine Podiumsdiskussion habe ich eine Hintergrundrecherche angefertigt. Ich sollte Ausrichtung und Schwerpunkte einer aktuellen Diskussion recherchieren und zu weiteren Themen Hintergrundinformationen sammeln.

Ich glaube, die politische Welt ist für viele Menschen eine fremde und umständliche Welt. Weil politische Meinungsfindung immer langwierig ist und meistens in einem Kompromiss endet. Aber hier fallen Entscheidungen, die uns alle betreffen. Und deswegen ist Abwägen gerade hier so wichtig. Ein Praktikum im Abgeordnetenbüro bringt einem die Politik näher und macht sie greifbar. Das Praktikum bietet spannende Einblicke in den Alltag eines Abgeordneten und in die Arbeit im Abgeordnetenbüro. Ein solches Praktikum ist deshalb für jeden etwas, der sich für Politik interessiert und ganz praktische Erfahrungen sammeln möchte.

Nach meinem vierwöchigen Praktikum blicke ich auf tolle und eindrucksvolle Erfahrungen zurück, die mir Martina Stamm-Fibich und das gesamte Team ermöglicht haben. Vielen Dank an das Berliner Büro Kathrin Trommer, Susanne Schmucker und Jonas Wolframm und nach Erlangen an Elke Bauer und Martin Ferschmann und natürlich an Martina Stamm-Fibich für die Erfahrungen, Gespräche und Einblicke in die parlamentarische Arbeit, die ihr alle mir gegeben habt.

Matthias Müller