Um sich einen Überblick über die neuen Strukturen in der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum in Regensburg zu machen, lud Dr. Steffen Landgraf, Regensburger Gesundheitspolitiker und SPD-Stadtratskandidat, die SPD-Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder aus dem Wahlkreis Schwandorf-Cham und Martina Stamm-Fibich sowie weitere Gäste zu einer Informationsveranstaltung ein. Dr. Christian Schlögl, der neue ärztliche Direktor der Regensburger Forensik, erklärte, dass viele Patienten einer Erstsozialisation bedürfen. „Obwohl der gesellschaftliche Auftrag lautet, die Patienten sollen sozialisiert werden, stellen wir häufig fest, dass die Patienten schon mit einfachen Aufgaben, wie Busfahren oder Einkaufen Schwierigkeiten haben“, sagte Dr. Schlögl.

Dr. Landgraf, forensischer Psychotherapeut, führte in das Thema ein: „Unsere Arbeit beginnt direkt nach der Urteilsverkündung. Ziel der Unterbringung im Maßregelvollzug ist es, eine Strafffreiheit und eine Besserung der Gesundheit der Patienten zu erreichen, damit keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit besteht.“ Bei der Begehung der Klinik konnten sich die Gäste ein Bild über die älteren, aber auch über die neueren, erst seit 2017 in Betrieb genommenen Forensik-Gebäude machen. Auch in der Regensburger Forensik haben sich die Patientenzahlen in den letzten Jahren erhöht. „Wir sehen vor allem einen deutlichen Anstieg jüngerer und kränkerer Patienten, die zu uns kommen“, sagte Christian Hartl, Forensikbeauftragter der Bayerischen Psychotherapeutenkammer und leitender Psychotherapeut in der Regensburger Jugendforensik.

Damit die Versorgung der Patienten gelingen kann, bedarf es einer „engen Zusammenarbeit zwischen Justiz und Maßregelvollzug“ meinte Dr. Klaus Rappert, Fraktionsvorsitzender der Regensburger SPD und Richter am Landgericht Regensburg. Allerdings spiele auch die Anpassung der Personaldichte eine wichtige Rolle. „Hier erhoffen wir uns vor allem von den derzeitigen Entscheidungen über die Psychiatrie Personalverordnung (PsychPV) aber auch vom neuen Psychotherapeutengesetz (PsychThG) eine Verbesserung der Situation derjenigen, die für die psychische Gesundheit anderer arbeiten“, so Dr. Landgraf.

Die PsychPV regelt die Anzahl von Personal in der psychiatrischen stationären Versorgung. Während viele Gewerkschaften eine Erhöhung des Personals fordern, drohe bei den Verhandlungen im Gemeinsamen Bundesausschuss (GB-A) sogar eine PsychPV-minus, also einem Abbau an Stellen. „Dies kann nicht Sinn und Zweck einer Anpassung der Personaluntergrenzen in der Psychiatrie sein“, so Bruno Lehmeier, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats und verdi-Gewerkschaftler. Am Donnerstag steht im Bundestag die Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes auf dem Programm.

„Die Ausbildungssituation derjenigen, die sich für die psychische Gesundheit einsetzen, muss unbedingt verbessert werden. Daher werden wir mit aller Kraft die längst überfällige Novellierung des Psychotherapeutengesetzes weiter im Bundestag vorantreiben“, sagte die Erlanger Abgeordnete Martina Stamm-Fibich, Mitglied im Gesundheitsausschuss.