Das von der SPD geforderte Rückkehrrecht von Teil- auf Vollzeit wird in dieser Legislatur umgesetzt. Foto: Andreas Amann

Das von der SPD geforderte Rückkehrrecht von Teil- auf Vollzeit wird in dieser Legislatur umgesetzt. Das ist ein wichtiger Schritt für die Stärkung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Foto: Andreas Amann

16-03-2018 Seit 10 Jahren rückt der Equal Pay Day am 18. März das Thema geschlechterspezifische Lohn-Ungerechtigkeit (Gender Pay Gap) in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Laut Angaben des statistischen Bundesamts verdienen Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer. Ausgehend von einem gleichen Stundenlohn steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Oder anders ausgedrückt: Frauen bekommen in Deutschland im Durchschnitt nur 78 Cent für jeden Euro, den ein Mann als Arbeitslohn erhält. Das Thema Gender Pay Gap wird von einer Vielzahl unterschiedlicher und teilweise verwirrender statistischer Größen begleitet. Ein näherer Blick auf diese Zahlen und Begrifflichkeiten ermöglicht eine informierte Diskussion.

Unbereinigte und bereinigte Lohnlücke

Vergleicht man den Durchschnittsverdienst pro Stunde aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in allgemeiner Form miteinander, errechnet sich für Deutschland ein Lohnunterschied von 21 Prozent zwischen Männern und Frauen. Dieser Wert berücksichtigt keine individuellen Eigenschaften der Arbeitnehmenden oder der von ihnen ausgeübten Tätigkeiten und wird als „unbereinigte“ Lohnlücke bezeichnet. Das statistische Bundesamt hat eine Reihe von Faktoren identifiziert, welche den Gender Pay Gap ursächlich erklären. Zu diesen Faktoren zählt beispielsweise das niedrige Gehaltsniveau in frauendominierten Branchen wie Erziehung und Pflege. Diese Faktoren erklären statistisch 15% des unbereinigten Gender Pay Gaps.

Für die übrigen 6 Prozent Lohnlücke sind die Ursachen bisher nicht genau geklärt. Daraus ziehen Einige den Schluss, dass die eigentliche Lücke nur aus 6 Prozent besteht. Damit macht man es sich aber zu einfach. Denn nur weil Ursachen für Ungleichheit identifiziert sind, sind diese ja noch nicht beseitigt. Die Darstellung der bereinigten Lohnlücke von 6 Prozent als die vermeintlich „richtige“ Lohnlücke, ist ein häufiges Missverständnis in der Diskussion über Lohngerechtigkeit.

Das Beispiel der unterschiedlichen Erwerbseinkommen innerhalb einer Schulklasse veranschaulicht den Begriff der unbereinigten Lohnlücke: Betrachtet man eine Schulklasse, welche vor 20 Jahren gemeinsam den Schulabschluss gemacht hat, so verdienen die Frauen dieser Schulklasse heute durchschnittlich 21 Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Klassenkameraden. Das liegt zum Beispiel daran, dass sie in Branchen arbeiten die generell weniger Gehalt zahlen und im Durchschnitt weniger hoch bezahlte Führungspositionen innehaben.

Die Auswirkungen der bereinigten Lohnlücke verdeutlicht folgendes Beispiel: Eine Frau und ein Mann arbeiten in einer vergleichbaren Position mit ähnlichen Aufgaben und Verantwortungen, haben einen vergleichbaren Bildungsabschluss und vorher in ähnlichen Positionen gearbeitet. Die bereinigte Lohnlücke sagt uns, dass – statistisch gesehen – die Frau 6 Prozent weniger verdient als der Mann – ohne, dass dafür eine genaue Erklärung bekannt ist. Fest steht aber, dass sie in und wegen ihrer Eigenschaft als Frau schlechter bezahlt wird als der Mann.

Deutschland als Schlusslicht im internationalen Vergleich

Ein Blick in andere Länder zeigt: Deutschland liegt im europäischen Vergleich der Lohnungleichheit an drittletzter Stelle. Des Weiteren können in keinem anderen Land der europäischen Union die geringeren Durchschnittsverdienste von Frauen so stark auf Strukturmerkmale weiblicher Erwerbstätigkeit zurückgeführt werden wie in der Bundesrepublik.

Was sind die Ursachen dafür, dass in Deutschland die wirtschaftliche Lage einer Person so stark von ihrem Geschlecht abhängt? Warum sind beispielsweise die Gehälter in frauendominierten Branchen wie Pflege, Erziehung und Bildung so signifikant niedriger als in anderen Branchen? Warum arbeiten Frauen so viel häufiger in Teilzeit als Männer? Es gibt keine einfachen Antworten auf diese Fragen. Es gibt aber die dringende Notwendigkeit diese strukturellen Unterschiede zu beseitigen, weil sie gravierende negative Folgen für Frauen und die Gesellschaft insgesamt haben.

Folgen des Gender Pay Gaps: Rentenlücke und ungleiche Sorgearbeitszeit

Der durchschnittlich geringere Stundenlohn von Frauen hat eine Vielzahl weitreichender negativer Konsequenzen. So sammeln Frauen im Durchschnitt im Laufe ihres Arbeitslebens 48,8 Prozent weniger Einkommen an als Männer. Das geringere Einkommen im Erwerbsverlauf hat Einfluss auf die Versorgung im Alter: Die daraus resultierende Rentenlücke beträgt in Deutschland etwa 53 Prozent. Dies ist im internationalen Vergleich ein sehr hoher Wert; so liegt beispielsweise die Rentenlücke in Dänemark bei nur 24 Prozent.

Hier spielt der geringere Erwerbsumfang eine große Rolle, also die Tatsache dass Frauen in Deutschland sehr viel häufiger in Teilzeit arbeiten. Die hohe Teilzeitbeschäftigung von Frauen hängt wiederum mit der ungleich verteilten Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern zusammen. Als Sorgearbeit ist unter anderem der Zeitaufwand für unbezahlte Tätigkeiten wie Haushaltsführung sowie Pflege und Betreuung von Kindern und Erwachsenen definiert. Die Sorgearbeitslücke beträgt in Deutschland laut dem aktuellen Gleichstellungsbericht der Bundesregierung 52,4 Prozent. Das heißt Frauen leisten täglich 52,4 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Bei Paaren mit Kindern beträgt diese Lücke sogar 83,3 Prozent. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Es muss Frauen wie auch Männern ermöglicht werden, Erwerbsarbeit und Sorgearbeit über den ganzen Lebenslauf hinweg einfacher miteinander zu vereinbaren und gerechter – das heißt gleicher – zu verteilen.

Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist seit Jahren ein Kernthema der SPD, das sich auch im neuen Koalitionsvertrag niederschlägt: Mit dem Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit stärkt die SPD Frauen am Arbeitsmarkt, auch wenn es auf Druck der Unionsparteien einige Einschränkungen geben wird. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen sind in Teilzeit beschäftigt – viele von ihnen unfreiwillig. Das neue Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit schützt Frauen besser vor dieser „Teilzeitfalle“. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter haben Frauen außerdem mehr Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das sind wichtige und notwendige Schritte in Richtung Lohngerechtigkeit in Deutschland, die es ohne die SPD nicht geben würde.

Weiterführende Informationen