Welt-Poliotag: Impfungen retten Menschenleben

Impfungen retten Leben! Foto: seedo/pixelio.de

Impfungen retten Leben! Foto: seedo/pixelio.de

28-10-2017 Am 28. Oktober findet auch in diesem Jahr der im Jahr 1988 ins Leben gerufene Welt-Poliotag statt. Ein guter Anlass um auf die erfolgreiche und vorbildhafte Impfkampagne im Kampf gegen Polio bzw. Kinderlähmung aufmerksam zu machen. Sie zeigt wie wichtig und erfolgreich Impfungen sein können.

Jonas Salk – Entdecker des Polio-Impfstoffes

Der Termin des Welt-Poliotages geht auf den Geburtstag des US-amerikanischen Arztes und Immunologen Jonas Salk zurück: Den 28. Oktober 1914. Salk gelang in den 1950er-Jahren der Durchbruch bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Polio. Salks Entdeckung wurde zu einem Meilenstein im weltweiten Kampf gegen Polio. Die Zahl der Fälle von Polio bzw. Kinderlähmung sank durch den Einsatz des Impfstoffes massiv.

Was ist Polio?

Polio ist eine hochansteckende fieberhafte Viruserkrankung. Sie kann zu bleibenden Lähmungen und in schlimmen Fällen auch zum Tod führen. Bei einer Infektion mit Polio bzw. Kinderlähmung treten nur selten Symptome auf. Etwa 95 Prozent der Infizierten zeigen keinerlei Symptome.

Bei weniger als fünf Prozent der Betroffenen treten jedoch Symptome auf, die teils lebenslange Folgen mit sich bringen. In der ersten Phase, der abortiven (gemilderten) Poliomyelitis ist das zentrale Nervensystem (ZNS) nicht betroffen. In diesem Stadium der Erkrankung treten unspezifische Symptome auf: Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. In etwa ein bis zwei Prozent der Fälle dringt das Poliovirus jedoch in das ZNS ein. In diesem Fall kann es zu zwei verschiedenen Verlaufsformen kommen: Die nicht-paralytische und die paralytische Polio. Im Falle einer nicht-paralytischen Polio löst der Erreger eine Hirnhautentzündung (Meningitis) aus. Symptome sind in diesem Fall Fieber, Nackensteifheit, Rücken- und Muskelschmerzen sowie erhöhte Sensibilität auf äußere Reize. Die bekannten Ausprägungen einer „klassischen“ Kinderlähmung treten hier nicht auf.

Diese bekannten „klassischen“ Symptome treten nur in etwa einem von 100 bis 1.000 Fällen, also in 0,1 bis 1 Prozent der Ansteckungen, auf – in Form einer paralytischen Polio. Bei deren Krankheitsbild kommt es zusätzlich zu den Beeinträchtigungen durch eine nicht-paralytische Polio zu jenen Lähmungen, für die Polio bekannt ist und durch die sie auch den Beinamen Kinderlähmung trägt. Die Lähmungen betreffen meist die Arm- und Beinmuskulatur. Aber auch die Sprech-, Augen- und Schluckmuskulatur kann beeinträchtigt werden. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Befall der Atemmuskulatur kommen und eine auftretende Atemlähmung zum Tode führen. Bei ein bis zwei Drittel der Patientinnen und Patienten, die eine klassische Kinderlähmung durchlitten haben, nehmen die Beschwerden Jahrzehnte nach der Erkrankung, oftmals im fünften Lebensjahrzehnt, wieder zu. Es kommt zu rascher Müdigkeit, verringerter Ausdauer, Gelenkschmerzen und Muskelschwäche. Auch die Atemmuskulatur kann davon betroffen sein und zu Atemproblemen führen.

„Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam”

Ab dem Jahr 1962 begannen Ärzte in Deutschland mit der flächendeckenden Impfung gegen Polio in Form eines mit Impfstoff versehenen Zuckerstücks. Die sehr erfolgreiche Kampagne stand unter dem Motto: „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam”. Bereits binnen eines Jahres kam es zu fast keinen Neuerkrankungen mehr. Bei Polio-Epidemien in den Jahren 1953 und 1954 gab es in Deutschland noch tausende Krankheitsfälle mit fast 10.000 Toten. Heute liegt die Durchimpfungsrate in Deutschland bei knapp 95 Prozent. Die letzten Fälle von Polio wurden in Deutschland im Jahr 1992 registriert.

Impfen ist und bleibt wichtig

Die Impfung bleibt trotzdem enorm wichtig. Denn die Gefahr eines schwerwiegenden Krankheitsverlaufs lässt sich niemals ausschließen. Durch den zunehmenden Reiseverkehr in den letzten Jahren und Jahrzehnten, kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass wieder Polioviren nach Deutschland eingeschleppt werden. Die Impfung wird so lange notwendig sein bis Polioviren weltweit eliminiert sind. Eine einzelne Reisende oder ein einzelner Reisender reichen im Ernstfall aus um die Krankheit zurück nach Deutschland zu bringen. Impfen als Prävention ist daher enorm wichtig.

Noch heute ist eine spezifische Behandlung der Polio nicht möglich. Ärzte und Krankengymnasten können lediglich Symptome bekämpfen und nach dem Abklingen der akuten Krankheitsphase möglichst schnell mit der Regeneration beginnen. Aus diesem Grund ist es wichtig, weiterhin konsequent jedes Kind zu impfen. Und auch Impfverweigerer könnten aufgrund der Fortschritte der Polioimpfung überzeugt werden. Seit 1998 gibt es eine neue Form der Polio-Impfung. Im Gegensatz zur vorher üblichen Schluckimpfung wird der Impfstoff heute in den Muskel gespritzt. Eine vorher in sehr seltenen Fällen erfolgte Ansteckung in Folge der Impfung ist seitdem nicht mehr möglich. So können selbst Menschen, die an einer Immunschwäche leiden, risikolos geimpft werden.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Infektion sehr gering ist – die Folgen früherer Erkrankungen zeigen uns bis heute, wie wichtig die Impfung ist. Die Richtlinien der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfehlen eine erste Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung im Säuglingsalter in den ersten beiden Lebensjahren. Eine Auffrischung ist dann noch einmal im Alter von 9 bis 17 Jahren nötig (http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Aktuelles/Impfkalender.pdf?__blob=publicationFile). Danach ist eine routinemäßige Auffrischung nicht mehr nötig. Den eigenen Schutz überprüfen zu lassen, ist jedoch besonders bei Reisen in Länder wichtig, in denen es noch eine erhöhte Ansteckungsgefahr gibt. Beispielsweise bei Reisen nach Pakistan, Indien, Afghanistan und Nigeria.

Die Erfolge im Kampf gegen Polio machen Mut – auch im Hinblick auf andere Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln. Ich appelliere daher an alle Eltern ihre Kinder impfen zu lassen und dabei nicht nur an die Gesundheit des eigenen Nachwuchses zu denken, sondern auch an diejenigen Kinder, die aus medizinischen Gründen tatsächlich nicht geimpft werden können. Gerade diese Kinder sind auf ein möglichst niedriges Ansteckungsrisiko durch „Herdenschutz“ besonders angewiesen.