Mittendrin statt nur dabei

01_Blick aus Büro

Hatten das Brandenburger Tor vom Büro aus fest im Blick: Marek Schudoma (hinten) und Christian Weimar.

Der erste Tag

„Und, bei wem machst du dein Praktikum?“ fragt Christian den eben die strenge Sicherheitskontrolle durchlaufenden Marek. „Bei Frau Stamm-Fibich, SPD“ ist seine Antwort. Über diesen Zufall müssen wir dann beide lachen und verbringen quatschend die Zeit, ehe wir von Kathrin Hörl, einer Mitarbeiterin von Martina Stamm-Fibich, abgeholt werden. Nach freundlichem Empfang durch Michaela Stegmann und Phillip Käs, die ebenfalls für Martina Stamm-Fibich arbeiten, wird uns das Büro gezeigt, welches im vierten Stockwerk im Abgeordnetenhaus Unter den Linden 50 liegt, das sich in bester Lage unweit des Brandenburger Tors und direkt gegenüber der Russischen Botschaft befindet.
Die erste Begegnung mit der SPD-Abgeordneten wird sich allerdings noch zwei Wochen verzögern, da Bundestagsabgeordnete in Wochen, in denen das Parlament und die Ausschüsse nicht tagen, in ihren Heimatwahlkreisen tätig sind.

Nach einführenden Worten und der Übergabe von etlichen Infomaterialien über den Bundestag, führt uns unsere erste „Amtshandlung“ in die Verwaltung. Dort bekommen wir unsere Hausausweise, müssen jedoch erstmal, wegen des großen Andrangs weiterer Praktikantinnen und Praktikanten, warten. Wir knüpfen schnell Kontakt zu anderen Gleichgesinnten und stellen mit einem Grinsen fest, dass man den meisten ins Wartezimmer Hereinspazierenden direkt ansieht, bei welcher Fraktion sie ihr Praktikum machen. Bei einer anschließenden Führung werden wir mit einer der Bundestagskantinen bekannt gemacht sowie mit den unterirdischen Verbindungsgängen, die den Reichstag mit den verschiedenen Abgeordnetenhäusern verbinden.

Ab dem Nachmittag sind wir beide damit beschäftigt, uns in gesundheitspolitische Themen einzulesen, bevor um 17 Uhr bereits Feierabend ist. In sitzungsfreien Woche, so sagt man uns, seien die Arbeitszeiten ein wenig humaner.

Was sind unsere Arbeitsaufträge?

06_Praktikanten im Berliner AbgeordnetenhausDa wir aus unterschiedlichen Studiengängen des Gesundheitswesens kommen, stellen wir direkt am ersten Tag mit einem Lachen fest, dass wir uns in Sachen Themenaufteilung schon einmal nicht in die Quere kommen. Marek befasst sich deswegen in der ersten gemeinsamen Praktikumswoche mit den Themen Mitbestimmung für Patienten im Gesundheitssystem auf Basis eines Positionspapiers der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die neuaufkommende Problematik bezüglich des Themas Intoxikation durch kontaminierte Kabinenluft in Flugzeugen und deren gesundheitlichen Folgen gehört ebenfalls zu seinem Aufgabengebiet.

Christian hat es in der ersten Woche mit nur einem, dafür etwas größeren Themengebiet zu tun: Dem vom Bundesgesundheitsministerium geplanten Verbot des Versandes verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Als Resultat steht am Ende der Woche ein aktueller Sachstand zum Thema, der die verschiedenen Positionen, natürlich auch jene der SPD, und Argumente zum Thema beinhaltet.
In der zweiten Woche beschäftigt sich Marek intensiv mit der Bearbeitung von Petitionen, während Christian dabei hilft, eine Rede für Martina Stamm-Fibich vorzubereiten.

Programm für Praktikantinnen und Praktikanten der SPD-Bundestagsfraktion

Zu unserer Freude stellen wir bereits am ersten Tag fest, dass wir an den meisten Tagen unseres Praktikums bei den verschiedensten politischen Veranstaltungen des parteieigenen Programms für Praktikantinnen und Praktikanten schon angemeldet sind.

Darunter fallen Besichtigungen bedeutender politischer Einrichtungen, wie zum Beispiel des Roten Rathauses, des Berliner Abgeordnetenhauses und des Bundesrats oder des Bundesinnenministeriums.

Des Weiteren sind Gesprächsrunden zu aktuellen Themen auf der Tagesordnung. Hierbei diskutieren wir mit Vertretern der Bundeswehr und der EU, aber auch über den neuen Präsidenten der USA, Donald Trump. Letzteres Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan, der außenpolitisch sehr versiert ist, ist unser persönliches „Gesprächs-Highlight.“

Aber auch abseits der für Praktikantinnen und Praktikanten angebotenen Veranstaltungen, dürfen wir an gesundheitsbezogenen Gesprächsrunden wie beispielsweise der Matinée der Deutschen Hochschulmedizin teilnehmen. Die Akademisierung von Pflegeberufen sowie die Notwendigkeit einer besseren Verzahnung mit der medizinischen Ausbildung werden hier von Führungskräften der betroffenen Institutionen debattiert.

Abendveranstaltungen wie das Treffen der SPD-Landesgruppe Bayern, die jeden Sitzungsmontag in der Parlamentarischen Gesellschaft Berlin stattfindet, stehen ebenso in unserem Terminkalender. Ein weiteres Highlight für uns ist der Besuch eines vom Fachverband Elektromedizinische Technik veranstaltetes Event, bei dem die Digitalisierung der Gesundheitsbranche im Fokus steht. Insbesondere die im Anschluss folgenden überaus interessanten Gespräche mit den Teilnehmenden verdeutlichen uns, dass sich die meisten Akteure der Berliner Gesundheitspolitik sehr gut kennen und vernetzt sind.

Sitzungswoche

02_Gruppenfoto mit MartinaAm interessantesten finden wir natürlich jene Arbeitstage, die in die Sitzungswoche fallen. Hierzu ist anzumerken, dass in der Regel nur jede zweite Woche Sitzungswoche ist, in der die Bundestagsabgeordneten in den Ausschüssen und unter der Reichstagskuppel im Plenum tagen.

Jede und jeder Abgeordnete ist, sofern sie oder er kein Amt in der Fraktion innehat, in mindestens einem Ausschuss vertreten, in dem fachspezifisch gearbeitet wird und sich die Expertinnen und Experten der jeweiligen im Bundestag vertretenen Fraktionen besprechen. Ausschusssitzungen können öffentlich und nicht-öffentlich sein. Nach getaner Arbeit gibt der Ausschuss eine Empfehlung ans Plenum ab, wie für ein Gesetzesvorhaben gestimmt werden sollte. Die Fraktionen schließen sich dem Votum in der Regel an (Fraktionszwang). Bevor es jedoch überhaupt zu einer Abstimmung im jeweiligen Ausschuss kommt, beraten sich die Fraktionen intern in ihren Arbeitsgruppen (AGs).

Bei unseren Teilnahmen im Petitionsausschuss und in der SPD AG-Petitionen stellen wir mit erfreulichem Erstaunen fest, dass wirklich jede Petition von Bürgerinnen und Bürgern Anhörung findet. Manche Petitionen schaffen es sogar in die Gesetzgebung.

Da Martina Stamm-Fibich nicht nur im Petitionsausschuss sitzt, sondern auch noch im Ausschuss für Gesundheit, können wir binnen einer Woche tatsächlich den Verlauf eines Gesetzesbeschlusses durch den Bundestag hautnah miterleben.

Im Mittelpunkt steht hier das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG), das bereits in erster Lesung im Bundestag diskutiert wurde. In der Sitzungswoche wird hierüber dienstags in der AG-Gesundheit diskutiert und mittwochs die letzten Unstimmigkeiten fraktionsübergreifend im Gesundheitsausschuss ausgeräumt. Donnerstags halten dann die Berichterstatter des Gesundheitsausschusses im Plenum des Bundestages die letzten Reden, bevor es zur finalen Gesetzesabstimmung kommt.

Fazit

Wir konnten in den drei gemeinsamen Praktikumswochen enorm viel erleben und haben unsern bisherigen Wissensschatz im Gesundheitswesen gut einbringen, aber auch um ein ganzes Stück erweitern können. Alles, was hier politisch entschieden wird, hat später direkte Auswirkung auf unser Berufsfeld, weswegen wir sehr froh sind, an so vielen Veranstaltungen teilgenommen zu haben.

Das Praktikum war sehr gut ausgewogen mit Bürotätigkeiten und den Besuchen informativer Veranstaltungen und Teilhabe an politischen Prozessen.
Wir können nur jedem empfehlen, selbst einmal für ein paar Wochen ein Praktikum bei einer oder einem Abgeordneten der SPD zu machen und in die Bundespolitik einzutauchen.

Wir bedanken uns für die wertvollen Erfahrungen, die wir aus dieser kurzen Zeit mitnehmen durften, bei Michaela Stegmann, Kathrin Hörl, Phillip Käs und natürlich auch ganz herzlich bei der Erlanger Bundestagsabgeordneten Martina Stamm-Fibich.

Über die Praktikanten:
Marek Schudoma studiert im 7. Semester Medizin an der Charité in Berlin.
Christian Weimar studiert im 3. Master-Semester Gesundheitsmanagement und Gesundheitsökonomie an der Universität Erlangen-Nürnberg.