Aufklärung stärken statt Impfpflicht

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Foto: Simone Hainz/pixelio.de

14-02-2017 – Die Grippewelle sorgt für überfüllte Kliniken in der Metropolregion und führt zeitweise zu Aufnahmestopps in den Notaufnahmen. Aktuell werden etwa fünf Mal so viele Grippefälle wie im Jahr 2016 verzeichnet. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Ausbreitung gleich mehrerer Viren überlappt. Neben der Influenza treten das NORO-Virus und Keuchhusten-Infektionen verstärkt auf. Die Grippewelle hat die Diskussion um eine generelle Impfpflicht in Deutschland wieder neu entfacht.Das Thema Impfen wird regelmäßig in der Öffentlichkeit diskutiert. Nur leider zum Teil mit fragwürdigen Argumenten. Impfungen sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und der beste Schutz vor schwerwiegenden Infektionskrankheiten. Sie sind eine der wichtigsten und erfolgreichsten Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge. Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser können diejenigen, die durch schwere Erkrankungen gefährdet sind, geschützt werden.

Mit hohen Impfquoten können Krankheitserreger regional wirksam eingedämmt und sogar ausgerottet werden. Krankheiten wie etwa die Kinderlähmung wurden so in Deutschland praktisch eliminiert. Das Ziel der Bundesregierung, eine dauerhaft hohe Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung zu erreichen, halte ich für wichtig und richtig. Diese Zielvorgabe wird von Deutschland derzeit jedoch nicht für alle Krankheiten erreicht.

Über das Ziel einer hohen Durchimpfungsrate besteht gesellschaftlicher und überparteilicher Konsens. Wie das Ziel erreicht werden kann, gibt es unterschiedliche Ansichten. Ich lehne eine gesetzliche Impfpflicht ab. Ich setze mich dafür ein, dass sich Menschen freiwillig impfen lassen. Der Weg, die Menschen zu überzeugen, ist schwieriger als sie durch gesetzliche Vorgaben zu verpflichten. Es ist allerdings wichtig, dass jeder selbst und frei entscheiden kann.

Wir müssen die Aufklärung zum Thema Impfen weiter ausbauen. Impfungen erfolgen zu 90 Prozent durch niedergelassene Ärzte, die auf dem neuesten Wissensstand sein müssen. Darüber hinaus sollte es mehr niederschwellige Angebote für Impfungen geben, wie Schulimpfprogramme.

Viele Eltern, die Impfungen kritisch gegenüber stehen, sind offen für überzeugende, sachliche Argumente. Die ablehnende Haltung beruht in der Regel auf Erfahrungen und Meinungen des sozialen Umfeldes. Eine gezielte Ansprache und Aufklärung kann genauso erfolgreich sein wie eine Impfpflicht. Eltern fühlen sich ernst genommen und nicht vom Staat bevormundet.

Eine Impfpflicht ist für mich nur in Fällen von Krankheiten mit einer sehr hohen Sterblichkeitsrate vorstellbar. Es ist bereits heute möglich, eine Impfpflicht per Rechtsverordnung umzusetzen, wenn die epidemische Ausbreitung einer Krankheit droht.

In Bezug auf die von der CSU-Stadtratsfraktion in Nürnberg geforderte Impfpflicht für Kinder, die städtische Kitas besuchen, stellen sich mir zwei Fragen: Welche Konsequenzen hat eine Verweigerung durch die Eltern? Und wer ist für die Überwachung des Impfstatus zuständig? Das strikte Abweisen nicht geimpfter Kinder, kann nicht das Ziel sein. Das Ziel sollte sein, den Impfschutz vor dem Eintritt in eine staatliche Kita zu überprüfen. Eltern können gezielt informiert, fehlende Impfungen nachgeholt werden. Hier setzt auch das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz an.

Eltern sollen bei der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kindertageseinrichtung einen Nachweis darüber erbringen, dass zuvor eine ärztliche Beratung über den Impfschutz ihres Kindes erfolgt ist. Beim Auftreten von Masern in Kitas oder Schulen können die Behörden nicht geimpfte Kinder zum Schutz der anderen vorübergehend ausschließen. Ich setze auf Aufklärung und Überzeugung statt auf Pflicht und Zwang.