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Machen sich stark für den Schutz von Kindern (v.l.): Die SPD-Bundestagsabgeordneten Susann Rüthrich, Bärbel Bas und Martina Stamm-Fibich mit den Initiatoren von RISKID, Heinz Sprenger und Dr. Ralf Kownatzki.


02-12-2016
– Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist uns allen ein wichtiges Anliegen. Kinder sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft und besonders hilfsbedürftig. Als Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für das Thema Kinder- und Jugendgesundheit ist es mir eine Herzensangelegenheit die Situation von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Deshalb verfolge ich aktuelle Ideen und Projekte, die den Schutz von Kindern erhöhen, sehr aufmerksam.

Am 30. November haben sich Mitglieder der Arbeitsgruppe Gesundheit sowie der Arbeitsgruppe für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der SPD-Bundestagsfraktion zu einem Fachgespräch zum Projekt RISKID getroffen.

Das Projekt RISKID (Risikoinformationssystem Deutschland) wird von einem im Jahr 2005 in Duisburg gegründeten Verein getragen und erprobt die Nutzung einer dateibasierten, elektronischen Datenbank, in der Ärzte Informationen zu Patienten im Kindes- und Jugendalter austauschen können. Die Idee ist, eine virtuelle Großpraxis zu schaffen, die einen direkten Austausch zwischen den Ärzten ermöglicht.

Anlass für die Gründung des Vereins war der tragische Tod von fünf Kindern in Folge von Vernachlässigung und Misshandlungen durch die Eltern in Duisburg im Jahr 2005. Die Kinder- und Jugendärzte der Stadt sowie die Ermittlungsbehörden dachten daraufhin gemeinsam über Wege nach, solche Fälle in Zukunft zu verhindern. RISKID wurde als Pilotprojekt gegründet, um den innerärztlichen Informationsaustausch zu etablieren. Ziel ist es, ein Frühwarnsystem zu schaffen, das Misshandlungen oder sogar Todesfälle verhindern kann.

Kindesmisshandlungen treten in der Regel chronisch auf. Das Erkennen eines Falles bei genauer Beobachtung ist meistens möglich. Die Initiatoren des Projekts sind Dr. Ralf Kownatzki, Kinder- und Jugendarzt im Ruhestand, und Heinz Sprenger, ehemaliger Kriminalbeamter und Leiter des für Gewaltdelikte zuständigen Kommissariats in Duisburg. Die beiden haben jetzt ihr Projekt im Deutschen Bundestag vorgestellt.

Die Einführung von RISKID soll den Schutz von Kindern und Jugendlichen erhöhen. Der Informationsaustausch zwischen Ärzten wird verbessert und ermöglicht eine frühe Erkennung von Kindeswohlgefährdung und Kindesmisshandlung. Nach den derzeit geltenden Regeln und Gesetzen ist es für Ärzte schwierig sich mit ihren Kollegen auszutauschen, um bei einem Verdacht auf Kindesmisshandlung zum Wohle der Kinder nachzubohren.

Denn bei kaum einem Gewaltdelikt sind die Vertuschungsmöglichkeiten so groß wie bei Kindesmisshandlung. Ärzte haben zwar heute schon die Möglichkeit bei begründeten Verdachtsfällen ihre Schweigepflicht ohne Einwilligung der Eltern zu brechen und das Jugendamt zu informieren. Einen begründeten Verdacht auf Grundlage einer oder weniger Auffälligkeiten auszusprechen, ist jedoch oft schwierig.

Ärzte befinden sich beim Bruch der Schweigepflicht ohne ausdrückliche Zustimmung der Eltern immer in einer rechtlichen Grauzone und schrecken häufig davor zurück, zum Wohle der Kinder aktiv zu werden. Ein kurzer, diskreter und rechtssicherer Weg zum Informationsaustausch zwischen Kinder- und Jugendärzten kann dabei ein wichtiges Element sein, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen.

Oft ergibt sich ein klares Bild, ob das Kindeswohl gefährdet ist, erst durch das Wissen über eine größere Anzahl und Häufung von auffälligen Verletzungen und Befunden. Einzelne Diagnosen können häufig plausibel durch die Eltern erklärt werden.

Eine rechtsmedizinische Untersuchung zeigt, dass es bei Fällen von Kindesmisshandlungen zu häufigen Arztwechseln kommt (sog. „doctor-hopping“). Dieses Phänomen stellt laut den Initiatoren des Projekts ein großes Problem dar. Eltern versuchen auf diesem Weg Misshandlungen zu verschleiern. Auf der anderen Seite kann mit Hilfe von RISKID ein unbegründeter Verdacht auch schnell aus der Welt geschafft werden, ohne das Verhältnis zwischen Arzt und Eltern zu belasten.

Befürchtungen, dass die Zahl der Arztbesuche durch Einführung eines solchen Systems sinkt, haben sich in Duisburg bislang nicht bewahrheitet. Im Rahmen des Projektes RISKID durchlaufen die teilnehmenden Ärzte ein Anmeldeverfahren und tauschen ihre Daten anschließend nur untereinander unter dem Schirm der ärztlichen Schweigepflicht aus.

Hierzu holen sie von den Eltern all ihrer Patienten zu Beginn der Behandlung eine formale Bestätigung zur Entbindung von der Schweigepflicht ein. Ärzte haben im System von RISKID immer nur Zugriff auf Einträge zu eigenen Patienten. Die beiden Referenten forderten eine rechtlich verbindliche Lösung, die es Ärzten ohne diese Entbindung von der Schweigepflicht ermöglicht sich untereinander auszutauschen.

Ich unterstütze die Forderungen den interkollegialen Austausch zwischen Ärzten bundesweit rechtssicher zu gestalten und ein System wie RISIKID einzuführen. Seit 2011 besteht die Möglichkeit für Kinder- und Jugendärzte im gesamten Bundesgebiet sich an RISKID zu beteiligen. Bedenken, etwa zum Thema Datenschutz, nehme ich sehr ernst, ich sehe jedoch Möglichkeiten eine praktikable Lösung zu finden, die einen bestmöglichen Schutz unserer Kinder und Jugendlichen ermöglichen.