Antibiotika-Resistenzen: Eine tödliche Gefahr

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Foto: Takeda Pharma

18-11-2016 – Der Eurpäische Antibiotikatag erinnert jedes Jahr an die oft unterschätzte  Gefahr von Antibiotika-Resistenzen.„Das Problem ist so ernst, dass es die Errungenschaften der modernen Medizin bedroht“, heißt es in einem Bericht der WHO vom Sommer 2014. Die Gefahr ist real. Und sie ist groß. Tagtäglich sterben auch in deutschen Krankenhäusern Menschen an den Folgen einer Infektion mit multiresistenten Bakterien. Meist sind es ältere, multimorbide Patienten, deren Immunsystem bereits stark geschwächt war. Doch es ist denkbar, dass in Kürze auch jüngere Menschen an multi-resistenten Erregern sterben. Deshalb müssen wir sämtliche Anstrengungen bündeln, um ein solches Szenario zu verhindern.

Wie kaum ein anderes ist das Problem der Antibiotika-Resistenzen zum Teil hausgemacht. Denn über Jahrzehnte hinweg hat die Gesellschaft Antibiotika im Glauben an deren unerschöpfliche Allmacht nicht rational eingesetzt.

Die meisten der Patienten holen sich ein Rezept für ein Antibiotikum beim Arzt ihres Vertrauens. So stellen Hausärzte und hausärztlich tätige Internisten zwei Drittel der Antibiotika-Rezepte aus, die insgesamt im ambulanten Bereich vergeben werden.

Erschreckend ist, dass laut einer Umfrage des Robert-Koch-Institutes vielen Ärzten nicht bewusst ist, was sie mit ihren Verordnungen anrichten. Etwa 64 Prozent der niedergelassenen Mediziner glauben, dass das, was sie täglich verordnen, keinen Einfluss auf die Anzahl und Sorte resistenter Erreger in ihrer Gegend hat. Das gibt schon zu denken.

Außerdem spielt das Anspruchsdenken mancher Patienten im medizinischen Alltag eine große Rolle. Welcher Hausarzt kennt nicht die Situation, in der ein erkälteter Patient in seine Praxis kommt und um ein Antibiotikum bittet. Ob es sich dabei um eine bakterielle oder virale Infektion handelt, ist häufig nicht auf die Schnelle festzustellen. Daher verordnen Ärzte auf Verdacht Antibiotika. Hinzu kommt die fehlende Compliance vieler Patienten. Sie setzen den verordneten Wirkstoff vorzeitig ab, weil sie sich besser fühlen.

Besonders gefährlich wird die Situation in den Krankenhäusern. Denn hier liegen kranke Menschen dicht an dicht, sodass multiresistente Erreger schnell den Wirt wechseln können. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene schätzt die jährliche Zahl an Krankenhausinfektionen auf rund 90.000. Das bedeutet, dass sich jeder 20. stationär behandelte Patient infiziert.

Eine kompromisslose Reinigung und Desinfektion könnte Krankenhauskeime zwar abtöten, doch viele Kliniken stehen unter enormem finanziellen Druck und halten deshalb die Empfehlungen nicht immer ein.

Als Politik haben wir mit verschiedenen Gesetzen in den vergangenen Jahren versucht, den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht einzudämmen und mehr Hygienebeauftragte in die Kliniken zu bringen. Außerdem hat das Bundesgesundheitsministerium neben der Aktualisierung der Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie 2020 (DART 2020) einen 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung multi-resistenter Keime erarbeitet.

Auch im Pharma-Dialog der Bundesregierung hat das Thema eine Rolle gespielt.
Im Abschlussdokument des Dialogs wurde unter anderem festgehalten, dass das Bundesgesundheitsministerium die Regelungen zur Erstattung von diagnostischen Verfahren für einen zielgenauen Einsatz von Antibiotika verbessern soll. Zudem soll eine Regelung auf den Weg gebracht werden, mit der die jeweils spezifische Resistenzsituation bei der Nutzenbewertung im Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzdurch den Gemeinsamen Bundesausschuss besser berücksichtigt werden kann.

Ein weiteres Problem ist das geringe Interesse der Pharma-Industrie an Forschung in diesem Bereich. Denn obwohl Antibiotika die häufigste Wirkstoffgruppe unter den verschriebenen Medikamenten sind, ist mit ihnen vergleichsweise wenig Geld zu machen.

Selbstverständlich ist Arzneimittelforschung kostspielig, aber wir sind auf die Entwicklung neuer, potenter Antibiotika angewiesen. Gut eine bis eineinhalb Milliarden Euro muss ein Unternehmen in der Regel von der Entwicklung bis zur Marktreife investieren. Ein Prozess, der mindestens zehn Jahre dauert. Doch anders als bei Medikamenten gegen chronische Leiden wie Diabetes oder Bluthochdruck, die ein Leben lang eingenommen werden müssen, sind die Ertragsaussichten bei Antibiotika deutlich geringer. Insbesondere wenn es um die Entwicklung von Reserveantibiotika geht, die naturgemäß nur dann zum Einsatz kommen sollen, wenn Standardarzneien versagen.

Ich appelliere  an die soziale Verantwortung, der sich auch Pharma-Unternehmen nicht entziehen dürfen.

Ein Merkblatt der BZgA zu Antibiotika-Resistenzen können Sie HIER downloaden.