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Foto: I-vista /pixelio.de

14-11-2016 – Derzeit leben in Deutschland mindestens sechs Millionen Menschen mit einem Typ-2-Diabetes, Tendenz steigend. Gefördert wird diese Entwicklung vor allem durch eine hyper-kalorische Ernährung sowie Bewegungsmangel. Während sich in Bezug auf das Ernährungsverhalten der Deutschen in den letzten Jahren durchaus positive Trends ausmachen lassen, nimmt die Zahl der körperlich Inaktiven in den mittleren und höheren Altersklassen deutlich zu.Wir waren noch nie so mobil wie heute, haben uns aber auch noch nie so wenig bewegt. Wir hatten noch nie so viele Maschinen und Geräte, die uns helfen, Zeit zu sparen, finden aber trotzdem keine freie Zeit, vor allem für Bewegung. Der letzte Mobilitätsbericht der Bundesregierung weist eine durchschnittliche Tagesmobilität von 39 km pro Bundesbürger aus. Was in der Summe aller rund 3,2 Milliarden Personenkilometer pro Tag ergibt. Eine Strecke, die ausreicht, unsere Erde 80.000-mal zu umrunden – täglich.

Das sind unglaubliche Distanzen. Aber: Die WHO-Empfehlung für Kinder und Jugendliche, täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv zu sein und dabei wenigstens einmal ins Schwitzen zu kommen, erreichen gerade einmal 27 Prozent. In der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen sogar nur 11 Prozent. Und die Erwachsenen sind keine Vorbilder: Nur 20 Prozent der Erwachsenen können der WHO-Empfehlung von 2,5 Stunden körperlicher Aktivität gerecht werden.

Wie wertvoll Bewegung sein kann, belegen zahlreiche Studien. So senkt schon eine geringe körperliche Aktivität bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sowohl die kardiovaskuläre Mortalität als auch die Gesamtmortalität. Außerdem halbieren Bewegung und körperliche Fitness das Risiko einer Diabetesentstehung.

Aber nicht Therapeuten, Gesundheitsinstitutionen oder die Politik verändern die Lebensweisen der von Diabetes betroffenen Menschen. Es sind immer die Menschen selbst und deren alltägliche Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Handlungsweise.

Wer zuckerkrank ist, sollte sich fit halten. Denn Bewegung senkt den Zuckergehalt im Blut. Medikamente ließen sich einsparen und Folgeschäden verhindern. Jede körperliche Aktivität bringt Zucker in die Körperzellen. Das hilft den Betroffenen. Sport wirkt noch im Ruhezustand: Noch bis zu zwei Tage nach dem Training können die Muskeln Zucker aus dem Blut beziehen und ihre leeren Speicher wieder auffüllen.

Wer zum Zeitpunkt der Diagnose übergewichtig war, kann womöglich das Insulin wieder absetzen, sobald er einen großen Teil seiner Pfunde verloren hat. Patienten, die Insulin spritzen oder ein Insulin freisetzendes Medikament nehmen, müssen jedoch vorsichtig sein, denn viel Sport kann zu einer starken Unterzuckerung führen.

Wer lange keinen Sport mehr gemacht hat und jetzt damit anfangen möchte, sollte sich vorher unbedingt vom Arzt durchchecken lassen. Auch sind individualisierte Vorgehensweisen ratsam, die Bewegungsempfehlungen an den Menschen anpassen.

Wichtig sind auch bequeme und druckfrei sitzende Sportschuhe. Denn beim Training werden die Füße stärker belastet als im Alltag und können deshalb anschwellen. Der hohe Blutzuckergehalt schadet den Nerven, zuerst denen an den Füßen. Menschen mit Diabetes merken Verletzungen an den Füßen oft nicht. Solche Wunden heilen bei ihnen langsamer, wenn der Langzeitblutzuckerwert sehr hoch ist.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit oder ohne Diabetes mit einer mäßigen bis guten Fitness länger und natürlich auch besser leben. Dabei ist die Frage, ob man ein paar Kilogramm mehr auf die Waage bringt oder nicht, zunächst nicht so entscheidend – Hauptsache, die Fitness stimmt.

Qualifizierte Gesundheitsstudios sind mit ihren vielfältigen und interessanten Angeboten im Bereich von Bewegung und Wellness für Diabetiker aller Altersgruppen eine lohnenswerte Adresse. Sie bieten, abwechslungsreiche Sport- und Bewegungsprogramme für Diabetiker an, die dem besonderen Anforderungsprofil gerecht werden.

Vor Beginn jeglicher sportlicher Betätigung sind im Vorfeld einige Fragen zu klären. Nach den allgemein anerkannten Kurzformeln „Typ 1: Sport trotz Diabetes“ und „Typ 2: Sport wegen Diabetes“ ergeben sich unterschiedliche Beratungs- und Untersuchungsszenarien.

Eine Sportempfehlung für Diabetiker kann nicht lapidar mit dem Beisatz „und treiben Sie mehr Sport“ abgetan werden. Soll aus der Bewegungstherapie eine Verbesserung der Parameter des metabolischen Syndroms bei gleichzeitiger Lebensqualitätsverbesserung des Patienten resultieren, sind – wie bei der Verordnung von Langzeitmedikamenten – die Komponenten „körperlicher Status, Begleitmedikation, Wünsche des Patienten und Ziele der Bewegungstherapie“ zu berücksichtigen. Das ausführliche Gespräch mit dem Patienten hat darauf einen wesentlichen Einfluss.

Grundlegende Aufgabe der Politik ist die Schärfung des öffentlichen Bewusstseins für die Wichtigkeit von Bewegung für die Gesundheit. Idealerweise beginnt Bewegungsförderung möglichst früh und unabhängig von der sozialen Herkunft dort, wo alle Kinder und Jugendlichen erreicht werden: in Kindertagesstätten und Schulen. Bewegungsangebote müssen für alle Altersgruppen sichergestellt werden: Vom Kleinkindalter bis ins Seniorenalter. Es ist vor allem wichtig, die Menschen zu erreichen, die sich nicht aus eigener Kraft um ihre eigene Gesundheit oder die Gesundheit ihrer Kinder kümmern können.

Mit dem 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetz haben wir einen Grundstein für eine nachhaltige Gesundheitsförderung gelegt. Im Gesetz ist auch die Früherkennung von Typ-2-Diabetes als nationales Gesundheitsziel formuliert.

Wir haben die Früherkennungsuntersuchungen ausgeweitet, die Selbsthilfe gestärkt und die Präventionsausgaben der Kassen nahezu verdoppelt. In ein strukturiertes Behandlungsprogramm, in dem Diabetespatientinnen und Diabetespatienten fach- und sektorübergreifend gut versorgt werden, waren nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Jahr 2014 insgesamt vier Millionen Menschen eingeschrieben.

Es ist wichtig, dass die Nationale Präventionsstrategie mit Leben gefüllt wird und sich alle verantwortlichen Akteure mit ganzer Kraft einbringen. Mir ist aber auch klar, dass die Schaffung gesundheitsfördernder Lebensbedingungen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Die SPD setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt für die Verankerung von Gesundheitsförderung in allen Politikbereichen im Bund, in den Ländern und in den Kommunen ein. Wir werden deshalb weiter darüber beraten, wie chronische Volkskrankheiten wie Diabetes besser vermieden und behandelt werden können.