Vorsorge im Kindesalter: Neues im gelben Heft

2016-05-19_gelbes-heft_titel

Foto: G-BA

Eltern kennen das gelbe Heft. Bei der Geburt des Kindes bekommen sie das kleine Untersuchungsheft überreicht, das ein ständiger Begleiter in Gesundheitsfragen ist. Ärzte dokumentieren die Ergebnisse der U1- bis U9-Untersuchungen, das Wachstum und die Entwicklung werden gemessen und eingetragen, die Ergebnisse von Hör-und Sehtests notiert.

Am 1. September sind Verbesserungen bei der Vorsorge im Kindesalter in Kraft getreten, die Teil des Präventionsgesetzes sind. Der Deutsche Bundestag hat das Gesetz am 18. Juni 2015 verabschiedet und mit ihm die Weichen für eine bessere Gesundheitsversorgung von Kindern- und Jugendlichen gestellt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat seitdem die U-Vorsorge geprüft und weiterentwickelt. Überprüft und wenn nötig angepasst wurden die Untersuchungsmethoden, also die Art der Untersuchung, und der jeweilige Zeitpunkt, wann eine Untersuchung stattfinden soll. Auch die Dokumentation wurde verbessert.

Im gelben Heft wird in Zukunft jede Untersuchung kurz beschrieben, sodass Eltern sich im Vorfeld informieren können, was genau passiert. Zudem können sie selbst Bemerkungen eintragen und sich Notizen machen, was der Arzt oder die Ärztin empfohlen hat. Künftig wird es eine Teilnahmekarte geben. Die Karte kann aus dem gelben Heft heraus getrennt werden und bei Bedarf zum Beispiel in der Kita vorgelegt werden. So bleiben vertrauliche Informationen geschützt und gleichzeitig können Eltern einen Nachweis erbringen, dass alle Untersuchungen durchgeführt wurden.

Neu ist eine Beratung zum Thema Impfen. „Ich unterstütze jede Maßnahme, mit der wir die Impfquoten in Deutschland erhöhen“, sagt Martina Stamm-Fibich. Die Entscheidung, ob Eltern ihre Kinder impfen lassen oder nicht, bleibt eine individuelle. „Aufklärung und Beratung sind sind notwendig, um überhaupt richtig abwägen zu können“, sagt Martina Stamm-Fibich. Gerade beim Impfen geht es nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um die anderer. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, sind auf den Schutz durch andere angewiesen.

Eine weitere entscheidende Verbesserung gibt es künftig im Bereich des Neugeborenenscreenings: Für jedes Neugeborene wird das Screening auf Mukoviszidose angeboten. Auch hier gibt es ein gesondertes Informationsblatt. Martina Stamm-Fibich hatte zu diesem Thema am 27. April 2016 zum Fachgespräch geladen. Damals hoben die Experten die Bedeutung des Screenings hervor und kritisierten die Trägheit der Verantwortlichen. „Umso mehr freut es mich nun, dass der Mukoviszidose-Test künftig Teil der Vorsorgeuntersuchungen sein wird. Damit können wir Betroffenen viel Leid ersparen“, erläutert die Bundestagsabgeordnete. Auch dem Thema Mund- und Zahnhygiene wird in Zukunft mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Kinderärzte kritisieren, dass die Reform der U-Vorsorge nicht weit genug geht. Sie fordern eine stärkere Einbindung auch der psychosozialen Entwicklung von Kindern in die U-Vorsorge. Angesichts steigender Zahlen psychisch erkrankter Kinder sollte in Zukunft mehr über diese Möglichkeit nachgedacht werden.

„Verbessern lässt sich das Vorsorge-System auch im Grundschulalter und im späteren Teenageralter. Hier klaffen Lücken: Immer mehr Kassen übernehmen zwar mittlerweile freiwillig die Kosten für die U10-, U11- und die J2-Untersuchung, einen gesetzlichen Anspruch gibt es aber nicht“, erklärt Martina Stamm-Fibich. Die Früherkennungsmaßnahmen von der U1 bis zur U9 sind dagegen reguläre Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

„Es ist gut, dass das gelbe Heft inhatlich aufgewertet wurde. Noch besser wäre es, wenn auch die Vorsorge-Lücken gestopft werden könnten“, resümiert Martina Stamm-Fibich.