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Foto: Tim Reckmann/pixelio.de

15-04-2016 – Der Pharma-Dialog ist zu Ende – jetzt müssen Taten folgen. Am 12. April haben die Dialog-Partner ihre Ergebnisse vorgestellt. Aber ob aus Absichtserklärungen reale Verbesserungen werden, wird sich erst in Zukunft zeigen – bislang sehe ich vor allem sehr viele Wünsche.Der Pharma-Dialog ist ein Gesprächsformat, das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert wurde. Gemeinsam mit den Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) wurden in mehreren Gesprächsrunden wichtige Themen der Arzneimittelversorgung besprochen. Dialogpartner waren unter anderem der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V., der Medizinische Fakultätentag, das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE).

Dialog ist immer ein guter Weg. Und gerade im Bereich der Arzneimittelversorgung sind Gespräche eine sinnvolle Angelegenheit. Die Pharma-Branche ist ein bedeutender Wirtschaftszweig. 2015 waren rund 640 Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen registriert. Die Vielfalt ist groß: Wir haben in Deutschland sowohl global aufgestellte als auch mittelständische Unternehmen. Für den Arbeitsmarkt ist die Pharma-Branche deshalb von großer Bedeutung: 110.000 Menschen beschäftigt die Branche. Und – das freut mich besonders – der Anteil der weiblichen Beschäftigten liegt über dem Wert der meisten anderen Branchen in Deutschland.

In den Jahren 2014 und 2015 wurden in Deutschland insgesamt 84 Arzneimittel auf den Markt gebracht. Die pharmazeutische Industrie ist eine der forschungsintensivsten Branchen in Deutschland. 5,8 Milliarden Euro haben die Unternehmen in die Erforschung neuer Wirkstoffe gesteckt.

Die Pharma-Branche ist wichtig für Deutschland: Für den Arbeitsmarkt und für eine gute Gesundheitsversorgung. Denn neue Medikamente können für kranke Menschen ein Segen sein. Aber die Branche will natürlich Geld verdienen. Und da 70 Prozent der Gesundheitsausgaben von den sozialen Sicherungssystemen finanziert werden, müssen wir hier eine Balance finden: Stabile Krankenkassenbeiträge und Fortschritte in der medizinischen Versorgung.

Der Dialog ist das richtige Format, um zwischen den Positionen eine vernünftige Linie zu finden. Es wurde über vieles gesprochen, einige Punkte halte ich für besonders bedeutend.

Zum einen soll die Arzneimittelversorgung für Kinder gestärkt werden. Seit 20 Jahren verweisen Experten auf das Problem einer unzureichenden Arzneimittelversorgung für Kinder und Jugendliche. Noch immer wird ein Großteil der Arzneimittel für Kinder verschrieben, ohne dass es eine Zulassung der Medikamente eigens für Kinder gibt. Kinder sind aber keine kleinen Erwachsenen. Medikamente wirken bei ihnen anders, häufig treten Nebenwirkungen auf. Ergebnis des Pharma-Dialogs ist es, künftig die Zahl der Zulassungen für Arzneimittel für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. Ich bin gespannt, ob die Verabredungen am Ende umgesetzt werden. Ich werde hier genau hinsehen und mich auch künftig für eine bessere Arzneimittelversorgung für Kinder- und Jugendliche einsetzen.

Zum anderen soll das komplizierte Thema der Nutzenbewertung angegangen werden. Aktuell werden Medikamente zugelassen und bekommen damit den Marktzugang. Danach folgt aber die so genannte Zusatznutzenbewertung, ein Instrument zur Preisfindung. Das Prinzip der Zusatznutzenbewertung ist grundsätzlich sinnvoll: Nur wenn ein Medikament mehr kann als die Arzneimittel, die es bereits gibt, darf es teurer sein. Allerdings gibt es Krankheiten – wie beispielsweise Epilepsie – deren Krankheitsverläufe sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Hier bildet ein pauschaler Vergleich des neuen Medikaments mit anderen Arzneimitteln nicht die Behandlungsrealität ab. Die Dialogpartner haben deshalb beschlossen, dass die Auswahl der so genannten Vergleichstherapie, also das Medikament mit dem ein neuer Wirkstoff verglichen werden soll, künftig flexibler sein soll.

Auch die Problematik der Antibiotika-Resistenzen soll angegangen werden. Der vielfältige Einsatz von Antibiotika führt dazu, dass bei vielen Menschen Antibiotika nicht mehr wirken. Deshalb haben die Dialogpartner verschiedene Punkte festgehalten, wie sie gegen Antibiotika-Resistenzen vorgehen möchten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will die Förderung neuartiger Therapieansätze ausbauen. Es sollen Informationen bereitgestellt werden, die auf die Gefahr der Resistenzen hinweisen
Es sollen „Reserve-Antibiotika“ entwickelt werden, die dann eingesetzt werden können, wenn die Medikamente, die es bereits auf dem Markt gibt, nicht mehr helfen

Nun müssen die Ergebnisse des Dialogs in Taten umgesetzt werden. Ich werde hier sehr genau hinsehen und an geeigneter Stelle darauf hinweisen, dass den Gesprächen echte Ergebnisse folgen.

Weitere Ergebnisse des Pharma-Dialogs können auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit abgerufen werden.