Für Epilepsie: Zusatznutzen auf dem Prüfstand

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Der nächste Fall: Martina Stamm-Fibich (re.) und ihre Parteikollegen Markus Paschke (li.) und Stefan Schwartze beraten am Montag über eine Petition des Epilepsie Bundes-Elternverbands. Foto: Deutsche Bundestag/studio kohlmeier

 

08-04-2016 Seit langem setzt sich die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich für die öffentliche Beratung einer Petition ein, die der Epilepsie Bundes-Elternverband im April 2015 an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages gestellt hat. Frau Stamm-Fibichs vehementem Einsatz ist es zu verdanken, dass am Montag, den 11. April 2016, die Petition öffentlich beraten wird.

Die sogenannte frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln führt dazu, dass bestimmte Medikamente auf dem deutschen Markt nicht mehr verfügbar sind. Denn in Deutschland müssen Hersteller belegen, dass ihr neues Medikament besser ist als bereits auf dem Markt verfügbare. Nur dann darf das Medikament teurer sein, als bereits vorhandene Medikamente. Dieses Verfahren führt aber häufig dazu, dass Hersteller, deren Medikamente keinen Zusatznutzen haben, die Arzneimittel vom Markt nehmen.

Das hat gerade für Epilepsie-Patienten gravierende Konsequenzen. Denn für Epilepsie gibt es keine Standardtherapie. Die Krankheit ist in ihrer Ausprägung und in der Behandlung bei jedem Patienten unterschiedlich. Manche Patienten haben von den neuen Medikamenten profitiert. Es waren nur –  statistisch gesehen – zu wenige Patienten.

„Das Problem ist hier nicht die Zusatznutzenbewertung an sich. Die halte ich prinzipiell für sinnvoll und richtig, um eine Kontrolle der Arzneimittelpreise zu gewährleisten “, sagt Martina Stamm-Fibich. Das Problem sind die Instrumente der Zusatznutzenbewertung. „Wir müssen der besonderen Situation von Epilepsie-Patienten gerecht werden und den Zusatznutzen so bewerten, dass ein echter Vergleich möglich ist“, erklärt die Gesundheitspolitikerin.

Der Eins-zu-eins-Vergleich mit einem anderen Medikament ist bei Epilepsie-Therapien meist nicht sinnvoll. Sinnvoll wären aber spezielle Tests für Patienten, denen bislang kein Medikament hilft. „Hilft ein neues Medikament den bislang nicht-therapierbaren Patienten, dann erkenne ich hier durchaus einen Zusatznutzen“, so Martina Stamm-Fibich. Notwendig sind neue Prüfinstrumente, um die Besonderheiten von Krankheiten mit individuellem Krankheitsverlauf, wie zum Beispiel Epilepsie, abzubilden.

„Die SPD-Bundestagsfraktion wird die öffentliche Beratung im Petitionsausschuss nutzen, um auf die dringend notwendige Weiterentwicklung der Prüfinstrumente hinzuwirken“, kündigt Martina Stamm-Fibich an.