„Wirtschaftlichkeit kann nicht das Thema sein“

Blieb beim Thema Inkontinenzhilfen im Petitionsausschuss hartnäckig: Martina Stamm-Fibich (Mitte) setzt sich für eine Verbesserung der Situation von Menschen mit Inkontinenz ein. Foto: Deutscher Bundestag/Jörg F. Müller

19.02.2016 – Vor zwei Jahren wurde beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eine Petition eingereicht. Mit der Petition wird die Versorgung von Patienten mit Inkontinenzhilfsmitteln kritisiert. Seit dem Eingang der Petition hat sich Martina Stamm-Fibich für einer Verbesserung der Situation der Betroffenen eingesetzt, führte viele Gespräche,  unter anderem mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, und verschiedenen Krankenkassen. Sie wies immer wieder auf die fehlende Qualität bei der Versorgung hin. Auch ein Treffen mit dem Vorsitzenden des Selbsthilfeverbands Inkontinenz e.V. fand statt. Der Petitionsausschuss hat die Petition nun mit einem klaren Handlungsauftrag an das Bundesministerium für Gesundheit überwiesen

Denn jeder zehnte Deutsche ist von Inkontinenz betroffen. Aber kaum jemand spricht über diese Krankheit. „Ein Facharzt hat treffend zu mir gesagt: An Inkontinenz stirbt man nicht, aber sie kann einem das Leben nehmen“, sagt Stamm-Fibich. „Dabei kann man durch qualitativ gute Inkontinenzprodukte viele Symptome lindern.“

Die Qualität der Versorgung mit Inkontinenzhilfsmitteln hat sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert – aktuell liegen die Monatspauschalen der gesetzlichen Krankenkassen zum Teil unter 12,50 Euro. Für eine qualitativ angemessene Versorgung wären mindestens 20 Euro notwendig.

„Die Krankenkassen müssen eine Versorgung sicherstellen, die die individuelle Lebensrealität der Betroffenen berücksichtigt. Eine qualitativ angemessene Versorgung kann nicht nur mit Wirtschaftlichkeit bemessen werden. Sie muss auch die individuelle Lebensrealität berücksichtigen. Zum Beispiel brauchen Menschen, die viel unterwegs sind, andere Hilfsmittel als Menschen die bettlägerig sind“, fordert die Gesundheitspolitikerin.

Die Barmer GEK hat nun ihre Ausschreibungen über aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel gestoppt. Die Krankenkasse setzt nun wieder auf einen klassischen Hilfsmittelvertrag. Der GKV-Spitzenverband hat angekündigt, dass er die sogenannte Produktgruppe 15 „Inkontinenzhilfsmittel“ überarbeiten wird.

Hauptkriterium wird die Qualität der Produkte sein. Und das Bundesministerium für Gesundheit überarbeitet die Regelung der Hilfsmittelverordnung. Das sind drei längst notwendige Schritte. Ins Rollen gebracht hat diesen Stein die Petition – und das beharrliche Nachhaken von Martina Stamm-Fibich.

Die Rede zum Thema im Deutschen Bundestag finden Sie auf dem YouTube-Kanal von Martina Stamm-Fibich: http://bit.ly/1PT7D2y